Grabstätte für das ungeborene Leben

Geborgen im Erinnern –

Auf dem Alten St. Mauritz-Friedhof wurde am 24. November 2008 eine Kindergrab- und Gedenkstätte eingeweiht für Kinder, die nicht zum Leben geboren wurden.

Mit diesem seelsorgerlichen Angebot reagiert das St. Franziskus-Hospital auf ein gravierendes Problem: Oft werden sich Eltern nach einer Fehlgeburt, wie es im Amtsdeutsch heißt, erst nach Wochen, Monaten oder Jahren der Tragweite dieses Ereignisses bewusst und erleben dieses Ereignis dann um so mehr als schmerzhaften Einschnitt in ihr Leben, wenn sie nicht einmal wissen, wo ihr verstorbenes Kind geblieben ist. Die Stärke der Trauer ist nicht unbedingt abhängig von der Schwangerschaftswoche, sondern vielmehr von den Gedanken und Wünschen, die mit diesem Kind verbunden sind.

Da es sich nach unserem christlichen Glaubensverständnis um Menschen von Anfang an handelt, werden verstorbene Kinder unter 500 Gramm sowie das Zellgewebe nach Ausschabungen im St. Franziskus-Hospital unter dem Namen der Mutter würdevoll aufbewahrt bis zur Sammelbestattung, die drei Mal jährlich auf dem Alten St. Mauritz-Friedhof stattfindet. Für die Eltern entstehen keine Kosten. Die Eltern werden über einen Flyer (PDF-Datei1 MB), der ihnen während des Krankenhausaufenthaltes übergeben wird, über die Bestattungstermine informiert und dazu eingeladen. Mit dieser Form der Bestattung der Allerkleinsten haben die Eltern die Möglichkeit, Abschied von ihrem Kind zu nehmen und ihrer Trauer einen Ort zu geben. 

Die Grabstätte „Geborgen im Erinnern“ entstand aufgrund der Initiative einer Arbeitsgruppe, die sich aus Mitgliedern des St. Franziskus-Hospitals und Mitgliedern der St. Mauritz-Gemeinde zusammensetzte. Es war der Wunsch aller Beteiligten, eine Grab- und Erinnerungsstätte für verwaiste Eltern in der Nähe des Krankenhauses zu schaffen. Der an das Gelände des Hospitals angrenzende Alte St. Mauritz-Friedhof bot sich an. Die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde St. Mauritz unterstützten dieses Anliegen und stellten dort kostenlos eine Grabfläche zur Verfügung, die Finanzierung für die Gestaltung übernahm das St. Franziskus-Hospital.

Für die Gestaltung der Grabstätte konnte die Arbeitsgruppe den Bildhauer und Theologen Winfried Häder aus Münster gewinnen, der die Ideen der Arbeitsgruppe aufgriff und auf eindrucksvolle Weise umsetzte. So fällt jetzt im Eingangsbereich des Alten St. Mauritz-Friedhofes am Mauritz-Lindenweg ein großer Stein ins Auge, der die Aufschrift trägt „Und wohnen darf ich im Hause Gottes für alle Zeit“, ein Vers aus Psalm 23. Der Gedenkstein symbolisiert die „Stadt auf dem Berg“; ein Hoffnungsbild, das die Bibel mit der neuen Stadt, dem himmlischen Jerusalem beschreibt, in der es keine Tränen, keine Trauer und kein Leid mehr geben wird (vgl. Offb 21). Diese Form der Gestaltung der Grabstätte möchte die Eltern bestärken, darauf zu vertrauen, dass die Allerkleinsten geborgen sind in ihrer Erinnerung, geborgen auch in der Liebe Gottes, der von Anfang an JA zu jedem Menschen sagt.

Die Eltern der Allerkleinsten haben auch die Möglichkeit, ihr Kind individuell bestatten zu lassen. Der Stadtverband der Bestatter in Münster trägt in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern dafür Sorge, dass verstorbene Kinder mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm kostenlos beigesetzt werden auf dem Sternchenfeld des Waldfriedhofes Lauheide oder auf dem Frühchenfeld II des Zentralfriedhofes.