Crew Ressource Management

In hochtechnisierten Umgebungen, zu der auch die heutige Medizin zählt, sind Fehler, die durch reine Gerätedefekte oder -fehlfunktion entstehen, seltener geworden. Hingegen sind die menschlichen Faktoren wie z.B. Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Stress, Teamwork oder Sicherheitsdenken von der technischen Entwicklung weitgehend unbeeinflusst. Als Überbegriff werden diese Aspekte als "Human Factors" ("Faktor Mensch" oder "menschliche Faktoren") bezeichnet. Oft wird dann z.B. nach Katastrophen von "menschlichem Versagen" als Ursache gesprochen. Auch in der Medizin werden 70-80 Prozent der entstehenden Fehler ursächlich den Human Factors zugeschrieben.
In der Luftfahrt wurde in Anerkennung dieser menschlichen Fehlerquelle das "Cockpit Resource Management" (im Verlauf CRM, "Crew Resource Management") ausgearbeitet. Ziel dieser Maßnahmen ist es, präventiv Zwischenfälle zu reduzieren und Strategien zu vermitteln, um in Krisensituationen effektiv und fehlervermeidend agieren zu können. Diese Konzepte wurden in der Medizin zunächst im Bereich Anästhesie als "Anesthesia Crisis Resource Management" adaptiert. 
CRM bedeutet hier:

"Die Fähigkeit, das Wissen, was getan werden muss, auch unter den ungünstigen und unübersichtlichen Bedingungen der Realität eines medizinischen Notfalls in effektive Maßnahmen im Team umzusetzen."

Die Werkzeuge des CRM dienen dazu, gezielt auf folgende Faktoren Einfluss zu nehmen:

Für das effektive Zusammenspiel ist eine zielgerichtete verbale und non-verbale Kommunikation entscheidend. In der medizinischen Adaptierung von CRM existieren 15 Leitsätze, welche die oben genannten Bereiche adressieren.
Das Feld Kommunikation greift exemplarisch folgende Leitsätze auf:

  • Fordere Hilfe an (lieber früh als spät). 
  • Verteile die Arbeitsbelastung. 
  • Kommuniziere sicher und effektiv.
  • Beachte und verwende alle vorhandenen Informationen. 
  • Achte auf gute Teamarbeit.
  • Setze Prioritäten dynamisch.

Das Konzept als solches ist leicht verständlich, die konkrete Umsetzung bedarf allerdings praktischer Übung, welche das vorrangige Ziel CRM-basierter Simulationstrainings ist. Die Erhöhung der Patientensicherheit resultiert sekundär in einer Kostenreduktion durch Vermeidung von Zwischenfällen und Komplikationen. In einer Studie eines großen Krankenhausverbunds in Ohio wurde beispielsweise über mehrere Jahre flächendeckend CRM implementiert. Es wurde festgestellt, dass sich die Rate unerwünschter Ereignisse (z.B. nosokomiale Infektionen, Schäden durch Medikamentenverwechslung, Katheterinfektionen) reduzieren ließ, was in einer erheblichen Kostenersparnis resultierte.

Ziele des Trainings

  • Vermittlung von Grundlagen und Anwendung von "Crisis Ressource Management" als Strategie zur Problemlösung im Team, der Priorisierung von Aufgaben und der dynamischen Entscheidungsfindung.
  • Verbesserung der kognitiven und sozialen Sachkenntnisse beim Erkennen, sowie im Umgang mit komplizierten medizinischen Situationen.
  • Optimierung der Kapazität zur Selbstreflektion und Selbsterkenntnis, sowie die Verbesserung der Teamarbeit und die Weiterentwicklung individueller Fähigkeiten, Einstellungen, Handlungsweisen und Sachkenntnissen.
  • Darstellung und praktisches Erleben der Möglichkeiten und Grenzen der Teamkommunikation in komplexen Situationen.