Der Bunker am St. Franziskus-Hospital

Auf dem Gelände des St. Franziskus-Hospitals wurde im 2. Weltkrieg ein großer überirdischer Bunker gebaut. Nur wenige Besucher des Hospitals wissen, dass dieser Hochbunker noch immer komplett erhalten ist, denn er ist kaum noch sichtbar: Seit den 1980er Jahren wurde er bei verschiedenen Baumaßnahmen am Hospital zuerst verklinkert und dann nach und nach umbaut. Wir haben einige Informationen zur Geschichte dieses ungewöhnlichen Bauwerks zusammengetragen und lassen auch Zeitzeugen aus dem 2. Weltkrieg zu Wort kommen.

Zur Geschichte des Bunkers: Eine Chronologie

1943 – 1945: Schutz vor alliierten Bomben

Als im Krieg die Luftangriffe auf Münster zunehmen, beginnt das NS-Regime 1943 damit, unter dem Einsatz von Kriegsgefangenen einen Bunker auf dem Gelände des St. Franziskus-Hospitals zu bauen.

Das imposante Gebäude mit meterdicken Betonmauern misst schließlich 50 Meter in der Länge und 18 Meter in der Breite und verfügt über fünf Etagen. Bei den verheerenden Bombenangriffen auf Münster in den letzten Kriegsjahren bewährt sich der Bunker viele Male als Schutzraum.

1945 – 1970: Störendes Relikt aus dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg hätte die Geschäftsführung des Krankenhauses den Bunker gerne entfernt, aber eine Sprengung hätte die Gebäude in einem weiten Umkreis gefährdet. So stellt man sich auf ein Leben mit dem leerstehenden Bunker ein und versucht, den Anblick erträglicher zu machen, indem man ihn begrünt und schließlich verklinkert (rechts im Bild).

1970 – 2000: Atomsicheres Hilfskrankenhaus im Kalten Krieg

Als die politische Situation sich im Kalten Krieg wieder zuspitzt, wird der Bunker erneut genutzt:

Von der Bevölkerung nahezu unbemerkt, wird hier durch den Bundesverband für den Selbstschutz eins von bundesweit 23 „voll geschützten Hilfskrankenhäusern“ mit 500 Krankenbetten und zwei Operationssälen eingerichtet, das durch spezielle Schleusen und Luftfilter „atomsicher“ gemacht und bis in die 1990er Jahre hinein technisch aufgerüstet wird. Durch das Zivilschutzgesetz von 1997 entfällt dann aber die Rechtsgrundlage für das Vorhalten von Hilfskrankenhäusern. Der Bunker geht in den Besitz der Stadt über und wird schließlich vom Krankenhausträger übernommen.

Baulich wird das Gebäude immer mehr in den Komplex des St. Franziskus-Hospitals integriert: 1986 fällt die Entscheidung, die notwendigen neuen Bettenstationen auf das Dach des Bunkers zu setzen. Nach komplizierten architektonischen Berechnungen wurden fünf Etagen, gekrönt von einem Hubschrauberlandeplatz, auf den Bunker gebaut. Insgesamt ist das Gebäude nun 32 Meter hoch und bietet herrliche Ausblicke über die Stadt.

Seit 2000: Umbaut

Mit dem Bau des FranziskusCarrés wächst das Krankenhaus weiter um den Bunker herum: Die Praxen der niedergelassenen Ärzte und die Räume der Gesundheitsdienstleister umschließen nun den ehemaligen Schutzraum. Entsprechend kann man heute den Bunker nur noch erahnen: Wenn man vor dem Haupteingang des St. Franziskus-Hospitals steht, liegt das Erdgeschoss rechts hinter den umlaufenden Säulen.

Der Bunker in den Annalen der Mauritzer Franziskanerinnen

Zeitzeugen-Berichte aus dem 2. Weltkrieg:

Im „Echo des Mutterhauses“, einem vom damaligen Direktor der Mauritzer Franziskanerinnen verfassten Rundbrief an die Niederlassungen des Ordens, sind auch Ereignisse und Erlebnisse auf dem FranziskusCampus in tagebuchähnlichen Einträgen festgehalten. Hier einige Auszüge:

25. Januar 1943

„Beginn des großen Bunker-Baues an unserem Mutterhaus-Hospital, der uns zu Anfang viel Kummer machte, aber später unser Schutz war.“

 

5./6. Oktober 1944

„Am Freitag haben wir unsere kranken Schwestern, als wieder Alarm gegeben wurde, in den neuen, noch nicht ganz fertigen Bunker gebracht. Auch wir gehen jetzt gleich alle sofort bei Vollalarm dorthin. Heute – Samstag – haben wir doch von 10 ¼ bis 14 ¼ Uhr dort gesessen, als 60 Verbände über unsere Köpfe nach Mitteldeutschland zogen.“

 

22. Oktober 1944

„Sonntag, den 22. Okt., mittags 12 ¾ Uhr, kam öffentliche Luftwarnung. 13 Uhr Vollalarm. Wir flüchteten uns alle in den neuen Luftschutzbunker. … Alsbald erfolgten Einflüge über Einflüge und Überflüge, die kein Ende nehmen wollten. Es mag etwas nach 14 Uhr gewesen sein, als der Drahtfunk meldete: Angriffe auf Münster. Noch während wir Geistliche die Lossprechung erteilten, fielen die Bomben ringsumher. Wie lange das gedauert hat, wissen wir nicht. Eine Welle nach der anderen warf ihre Bomben ab, ein regelrechter Bombenteppich wurde über uns gelegt. Von draußen hörten wir ein furchtbares Krachen, der Bunker bebte in einemfort. Mehreremale glauben wir, daß die Bunkerdecke durchschlagen würde. Alles lag auf den Knien, betete, schrie und weinte. Niemand durfte aus dem Bunker heraus, niemand wußte wie es draußen aussah.“

 

1. Januar 1945

„Das Neujahrsfest wurde mit 9 Stunden Alarm im Bunker zugebracht.“

 

1. April 1945

Ostermontag. Abends gegen 20 Uhr zog der Amerikaner ein. Wir waren alle im Bunker eingerichtet, da ein furchtbares Bombardement auf Münster loslegte. Wir waren auf alles gefaßt und nun die schnelle, unerwartete Befreiung aus Bombennot. Der Amerikaner ließ uns Schwestern zum Mutterhaus gehen, während alle anderem im Bunker für die Nacht verbleiben mußten.“