Dienstag, 28.10.2025

Auf der anderen Seite des Inkubators: Julian Mergler als ehemaliges Frühchen im Pflege-Einsatz auf der Neonatologie

Gerade einmal 630 Gramm brachte Julian Mergler auf die Waage, als er am 8. Januar 2003 in der 24. Schwangerschaftswoche viel zu früh auf die Welt kam. Dreieinhalb Monate verbrachte er auf der Neonatologie, der Frühgeborenen-Intensivstation des St. Franziskus-Hospitals Münster. Und heute steht er wieder dort, diesmal auf der anderen Seite der Inkubator-Wand. Der Auszubildende zum Gesundheits- und Krankenpfleger hat gerade seinen Einsatz auf der Frühchenstation beendet.

Vor 22 Jahren lag Julian Mergler selbst als sehr kleines Frühgeborenes auf der Neonatologie des Franziskus Hospitals. Heute erlernt der Pflege-Azubi selbst die Versorgung der allerkleinsten Patientinnen und Patienten.

Julian Mergler als Frühchen in einem Inkubator im St. Franziskus-Hospital.

„Es ist so schön zu sehen, was aus unseren Frühchen wird“, freut sich Maria Sturm, Pflegefachleitung der Neonatologie des Franziskus Hospitals. Sie hat den heute 22jährigen in den Wochen nach seiner Geburt versorgt. Und sie ist nicht die einzige. Mehrere langjährige Kolleginnen können sich noch an das ehemalige Frühchen erinnern. „Julians ältere Schwester hat die lange Krankenhauszeit ihres Bruders damals so intensiv miterlebt, dass sie später eine Ausbildung in unserem Haus gemacht hat“, erinnert sich Cordula van Dyk, Fachpflegekraft und Case Managerin auf der Frühgeborenenstation. Und auch Julian Mergler entscheidet sich nach dem Abitur für den Weg in die professionelle Pflege. „Ich wollte immer schon etwas Soziales machen“, erzählt er. „Nachdem ich in die Pflege reingeschnuppert habe, wusste ich, dass das mein Beruf ist.“

Mittlerweile ist Mergler im dritten Ausbildungsjahr. Gerade befindet er sich im Orientierungseinsatz auf verschiedenen Kinderstationen. Die Frühchenstation war eine davon. „In dem jungen, professionellen Team habe ich mich nicht nur sehr gut aufgehoben gefühlt“, sagt er. „Es war auch ein schönes Gefühl, den Frühchen, ihren Familien und den Kolleginnen und Kollegen mit meiner Arbeit etwas zurückzugeben.“ Als Auszubildender in der Pflege unterstützte er die Fachkräfte in der Versorgung der winzigen Patientinnen und Patienten.

Und noch etwas hat ihn an diesem Einsatz beeindruckt: „Spannende Untersuchungen und die Möglichkeiten der Intensivmedizin bei so kleinen Körpern waren wirklich ein Highlight.“ Als zertifiziertes Perinatalzentrum Level 1 betreut das St. Franziskus-Hospital auch schon die allerkleinsten Frühgeborenen ab der Lebensfähigkeit und mit einem Geburtsgewicht unter 500g und bietet Müttern und Babys die höchste Versorgungsstufe.

In welchen Bereich er sich nach der Ausbildung orientieren möchte, weiß Julian Mergler noch nicht genau. „Bevor ich mich festlege, schaue ich mal, was die Ausbildung noch bringt“, sagt er. Der Einsatz auf der Neonatologie war in jeder Hinsicht bereichernd. Und ein ehemaliges Frühchen im eigenen Kreis war auch für das Team eine schöne Begegnung.