Sternenkinder

Informatonen für Eltern von in der Schwangerschaft verstorbenen Kindern

Liebe Eltern,

wenn ein lieber Mensch stirbt, ist das schrecklich. Wenn das eigene Kind noch während der Schwangerschaft stirbt, ist das eine Katastrophe. Für die Mutter, den Vater, für die Geschwister und für alle, die sich über das wachsende Leben mitgefreut haben.
All die Vorbereitungen, Wünsche, Erwartungen, Gedanken und Gefühle werden durch den Tod des Kindes jäh abgebrochen und lassen Sie trauernd zurück.
Wir wollen Sie begleiten auf dem schwierigen Weg, diese Erfahrung in Ihr Leben zu integrieren. Wir möchten Ihnen Informationen an die Hand geben, um Ihnen in dieser Situation zu helfen, handlungsfähig zu sein und sich auf anstehende Entscheidungen vorbereiten zu können.
Wir nennen Ihnen Ansprechpartner in und außerhalb unseres Krankenhauses.
Wir möchten Sie ermutigen, sich Zeit zu nehmen für den Abschied von Ihrem Kind und für Ihre Trauer. Und wir wünschen Ihnen Menschen an Ihrer Seite, die Ihre Fragen, das Leid und die Trauer mit Ihnen aushalten, durchstehen und Ihren Weg mit Ihnen gehen.
Als Mutter und Vater erleben Sie Ihre jetzige Situation sehr unterschiedlich – in der Trauer als Eltern sind Sie sich vielleicht sehr nah. Bleiben Sie miteinander gut im Gespräch!

Elisabeth Frenke
Seelsorgerin im St. Franziskus-Hospital

Im Krankenhaus

Zeit zum Nachdenken und Entscheiden

In der erwartungsfrohen Zeit der Schwangerschaft haben Sie vermutlich nicht mit all dem gerechnet, was jetzt gerade auf Sie zukommt. Mit der fatalen Prognose für Ihr Kind bricht Ihre Welt zusammen und es öffnet sich ein Loch aus Hilflosigkeit, Angst, Trauer und vielleicht auch Wut. Alle Gefühle, die Ihnen jetzt kommen, sind angemessen und helfen Ihnen, mit der Situation umzugehen.
Nun haben Sie Zeit, die nächsten Schritte in Ihrem Tempo zu gehen.

  • Zeit, um den ersten Schock zu verarbeiten
  • Zeit zum Nachdenken
  • Zeit, um die nötigen Entscheidungen zu treffen
  • Zeit, um innerlich Abschied vom Kind zu nehmen
  • Zeit, um wichtigen Bezugspersonen Bescheid zu sagen und sich Hilfe und Unterstützung zu holen
  • Zeit, um traurig zu sein und zu weinen
  • Zeit, um sich auf die Geburt vorzubereiten und einen Namen für das Kind zu finde

Wenn die Untersuchungen ergeben, dass Ihr Kind tatsächlich nicht mehr lebt, besteht in den meisten Fällen kein sofortiger Handlungsbedarf.
Nur wenn Sie eine unstillbare starke Blutung haben oder eine gefährliche
Infektion vorliegt, müssen Sie im Krankenhaus bleiben. Ansonsten besteht keine Eile und Sie dürfen noch einmal nach Hause gehen.

Willkommen heißen und Abschied nehmen

"Nur wen ich begrüßt habe, kann ich auch verabschieden."
Wenn Sie Ihr Kind durch eine „normale“ oder besser gesagt stille Geburt auf die Welt gebracht haben, ist es in den meisten Fällen möglich, dass Sie Ihr Kind zur Begrüßung und zum Kennenlernen anschauen und betrachten können. Seien Sie gewiss: Ihr Kind ist einzigartig und auf seine Weise schön! Wir werden ihr Kind in ein Nestchen betten, damit es angekleidet ist. Viele Eltern scheuen sich zunächst. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass fast alle Eltern froh sind, ihr Kind angeschaut zu haben, weil sie es mit den Augen der Liebe tun – und weil diese Allerkleinsten vollkommener und kindlicher aussehen als erwartet. Je nach Größe und Gewicht können Sie in vielen Fällen Ihr Kind waschen, ankleiden und im Arm halten. Sie geben Ihrem Kind damit ein Ansehen!
Die Hebammen messen und wiegen das Kind, wenn es möglich ist, und machen auch einen Hand- und Fußabdruck zur Erinnerung. In den meisten Fällen können Sie Ihr Kind fotografieren oder vom Klinikpersonal fotografieren lassen. Wenn Sie die Fotos nicht mitnehmen möchten, werden sie in der Akte der Mutter aufbewahrt. D. h. auch wenn Sie im Moment Ihr Kind nicht sehen wollen, haben Sie später die Möglichkeit, die Fotos im Krankenhaus anzufordern.
Sie erhalten viel Zeit und Raum zum Abschied nehmen. Dazu können Sie Ihr Kind z. B. von der/ dem Krankenhausseelsorger*in segnen lassen und ihrem Kind den Namen geben, den Sie ausgewählt haben. Sie können eine Kerze anzünden und ihr Kind in ihren Händen halten und mit ihm sprechen.

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Wer hilft mir?

Ansprechpartner*innen im Krankenhaus

Hebammen
Hebammen sind die Fachfrauen, wenn es um Geburt geht. Sie betreuen Sie während der Geburt und beantworten Ihnen alle Fragen, die Sie in Bezug auf die Geburt bewegen.

Pfleger*innen
Die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen auf der Station sind für Ihre pflegerische Betreuung zuständig und gestalten Ihnen den Aufenthalt im Krankenhaus in Ihrer schwierigen Situation so angenehm wie möglich.

Ärzt*innen
Die Ärztinnen und Ärzte erklären Ihnen die Diagnose und das medizinische Vorgehen, führen die notwendigen Untersuchungen und operative Eingriffe durch. Sie sind jederzeit ansprechbar.

Seelsorger*innen
Es gibt für Sie das Angebot der Seelsorge – unabhängig davon, ob Sie sich einer Kirche verbunden fühlen oder nicht. Der oder die Seelsorger*in ist für Sie da, nimmt sich Zeit für Sie und bietet Ihnen an, mit Ihnen nach einer Möglichkeit des Abschiednehmens von Ihrem Kind zu suchen: vielleicht ein Gebet oder eine Segnung, vielleicht eine kleine Feier mit Ihrer Familie, vielleicht aber auch einfach das gemeinsame Aushalten der Ratlosigkeit.

Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes
Wenn Sie während Ihres Klinikaufenthaltes Begleitung und Beratung wünschen, stehen die Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes zur Verfügung. Falls Sie Verständigungsprobleme haben, helfen sie Ihnen bei der Suche nach einer/ einem Dolmetscher*in.


Sie können die Seelsorger*in und die Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes direkt mit dem Haustelefon anrufen. Sie können aber auch auf Ihrer Station eine Hebamme, Pflegerin oder einen Arzt/Ärztin bitten, den Kontakt für Sie herzustellen.

Wichtig: Scheuen Sie sich nicht, sich im Krankenhaus und auch nach der Entlassung Unterstützung und Beratung zu suchen. Dies wird Ihre Möglichkeiten der Verarbeitung dieses existenziellen Verlustes entscheidend beeinflussen.

Was geschieht mit meinem Kind?

Obduktion – ja oder nein?

Nach einer frühen Fehlgeburt werden Gewebeuntersuchungen Ihres Kindes gemacht. Dabei werden in bestimmten Fällen Entzündungswerte ermittelt und es wird nach chromosomalen Unstimmigkeiten gesucht. In den meisten Fällen kann man jedoch nicht feststellen, warum es zu einer Fehlgeburt kam. Die Einwilligung zu dieser Untersuchung unterschreiben Sie meist schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus. Wenn Sie dies nicht wollen, können Sie bestimmen, dass keinerlei Untersuchungen gemacht werden sollen.

Falls Sie schon mehrere Fehlgeburten hatten, ist es ratsam, umfangreichere Untersuchungen zu machen, um mögliche Ursachen zu finden. Das kann hilfreich sein, wenn Sie wieder schwanger werden möchten.

Bei einer späten Fehlgeburt werden Sie gefragt, ob Sie einer Obduktion zustimmen. Eine Obduktion, auch Autopsie genannt, bedeutet, dass bei Ihrem Kind ein Schnitt am Körper gemacht wird. Dann werden Gewebeproben der Organe entnommen, die später untersucht werden und die Haut wird wieder vernäht. Danach kann Ihr Kind bestattet werden. Auch die Plazenta wird darauf untersucht, ob Chromosomenstörungen vorliegen oder die Versorgung gut war. Zusätzlich wird bei der Mutter nach Infektionskrankheiten gesucht, die eine Fehlgeburt ausgelöst haben könnten.

Eine Obduktion kann nur mit Ihrem ausdrücklichen Einverständnis und Ihrer Unterschrift vorgenommen werden. Sie müssen sich nicht sofort für oder gegen eine Obduktion entscheiden, sondern haben zwei bis drei Tage dafür Zeit. Und auch wenn Sie vorher einer Obduktion zugestimmt haben, können Sie diese Entscheidung nach der Geburt widerrufen.

Für viele Eltern ist es eine schwierige Entscheidung, ob sie einer Obduktion zustimmen sollen:
Gefühlsmäßig möchte man „nein" sagen zur Obduktion, weil man Angst hat und sein Kind beschützen möchte. Andererseits möchten Sie vielleicht gerne wissen, ob eine Ursache für den Tod des Kindes erkennbar ist.

Von ärztlicher Seite wird Ihnen möglicherweise zu einer Obduktion geraten werden, weil viele Frauen später nachgrübeln, warum ihr Kind nicht leben konnte. Später sind solche Untersuchungen dann nicht mehr möglich. Manche Frauen finden es beruhigend zu wissen, warum es so kam, andere nehmen den Tod ihres Kindes lieber als Schicksal hin.

Fragen, die zur Entscheidung helfen können:

  • Was genau wird untersucht?
  • Helfen mir die Ergebnisse? Ist es für mich von Wert, medizinische Details zu wissen?
  • Ist in meiner Situation eine Obduktion überhaupt sinnvoll?
  • Bin ich eher beruhigt durch ein medizinisches Untersuchungsergebnis oder durch den Gedanken „es ist eben leider so gekommen"?

Rechtliche Folgen - §-Fragen

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Bestattung des Kindes

Jedes Kind, das tot auf die Welt kommt, wird menschlicher Würde entsprechend behandelt und bestattet.
Das St. Franziskus-Hospital bestattet alle Kinder, unabhängig von ihrer Größe während einer Gedenk- und Beerdigungsfeier, wenn Sie sich nicht zu einer persönlichen, individuellen Bestattung entscheiden. Diese Bestattung, zu der Sie herzlich eingeladen sind, wird dreimal jährlich als gemeinschaftliche Feuerbestattung in einer Urne gestaltet.
Die Kindergrab- und Gedenkstätte „Geborgen im Erinnern“ befindet sich auf dem Alten St. Mauritz-Friedhof. Die Termine finden Sie im Flyer „Wenn die Schwangerschaft viel zu früh endet“. Die Kosten für die Beerdigung trägt das St. Franziskus-Hospital.
Das Personenstandsgesetz und die Bestattungsgesetze in Deutschland und die Richtlinien dazu bestimmen, in welchem Rahmen Kinder individuell bestattet werden müssen (Bestattungspflicht) oder dürfen (Bestattungsrecht).

Wieder zu Hause - Wer hilft mir?

Trotz Trauer leben - Mit Trauer leben

Tod und Verlust bringen immer einen tiefen Einschnitt ins Leben mit sich. Plötzlich ist alles anders, es fehlt jede Perspektive. Der Alltag scheint so leer und alles ist so schwer. Mut und Zuversicht in die Zukunft gehen mit der/ dem Verstorbenen verloren.
Der Tod eines Kindes ist ein besonders schmerzlicher Verlust. Das trifft vor allem für Eltern zu, die ein Kind in der Schwangerschaft verlieren. Das Umfeld hat die verstorbenen Kinder bisher kaum wahrgenommen, sie waren nach außen noch nicht sichtbar und somit auch noch nicht so präsent. Das hat häufig zur Folge, dass das Erschrecken über einen so frühen Tod zwar groß ist, aber die Anteilnahme und Unterstützung doch recht schnell nachlassen und zur „Tagesordnung“ übergegangen wird. Auch wenn dies oft aus Unsicherheit geschieht, fühlen sich die Betroffenen häufig allein gelassen und unverstanden

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Adressen & Links

Eine Selbsthilfegruppe besuchen

Niemand kann trauernde und betroffene Eltern besser verstehen als Menschen, die ein ähnliches Schicksal durchlebt haben. Diejenigen, die schon ein Stück des Trauerweges gegangen sind, können frisch Betroffenen Hoffnung geben und ihnen zeigen, dass auf diesem steinigen und kurvenreichen Weg mit Höhen und Tiefen auch wieder die Sonne scheint.
Monatliche Treffen der Frauen und Männer, die um ihr Kind trauern, finden statt im Haus der Familie in Münster Für den Erstkontakt wenden Sie sich an Tel.: 0251/418660. Dort erfahren Sie Termine und weitere Informationen.

Ebenso im Haus der Familie gibt es spezielle Rückbildungskurse für Frauen, deren Kind verstorben ist. Das ist wichtig, weil es Ihnen in einem „normalen“ Rückbildungskurs passieren kann, dass eine Mutter ihren Säugling mit zum Kurs bringt, was Ihnen im Zweifel sehr zusetzen kann.

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Krankenhausseelsorger*in

Elisabeth Frenke

Tel: 0251 935-4174
elisabeth.frenke(at)sfh-muenster.de

 

 

Norbert Brockmann

Tel: 0251 935-4160
norbert.brockmann(at)sfh-muenster.de

Frauenkliinik

Dr. Nikolaos Trifyllis
Chefarzt


 

 

Petra Saphörster
Chefsekretärin

Tel: 0251 935-3919
petra.saphörster(at)sfh-muenster.de

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