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Bei nicht dringlichen Erkrankungen, planbaren Untersuchungen oder länger bestehenden Beschwerden sollten Sie sich zunächst an Ihre Hausarztpraxis oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon 116 117) wenden. So helfen Sie mit, die Notfallmedizin in der Notaufnahme für schwer erkrankte Patientinnen und Patienten freizuhalten.

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Beckenbodenzentrum

St. Franziskus-Hospital Münster

Unser Leistungsspektrum im Beckenbodenzentrum

Zur Stärkung des Beckenbodens sollte an erster Stelle immer eine nicht-operative Behandlung stehen. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten. In vielen Fällen können mit einer Ernährungsumstellung und der damit verbundenen Gewichtsreduktion sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Auch ein qualifiziertes Beckenbodentraining durch ausgebildete Physiotherapeut:innen, oft unter Anwendung eines computergesteuerten Beckenboden-Rehabilitationstrainings (Pelvic Floor Reeducation), führt zu großen Erfolgen.

Darüber hinaus besteht häufig auch die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie, um Beckenbodenbeschwerden zu behandeln. Eine Beckenboden-Operation lässt sich dadurch in vielen Fällen vermeiden.

Konservative Beckenboden-Therapien

Auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Ernährungsberatung

Sehr oft kann bei vorhandenem Übergewicht durch eine konsequente Gewichtsreduktion eine Beckenboden-OP dauerhaft vermieden werden. Acht Prozent Gewichtsabnahme bewirken in 30-50 Prozent ein Verschwinden von Harninkontinenz.

Fachgerechtes Beckenbodentraining unterstützt Ihre Heilung

Ein konsequentes Beckenbodentraining, beginnend unter fachgerechter Anleitung, bewirkt in 44 bis 69 Prozent der Fälle eine objektive Heilung. Besonders nach einer Geburt, einer Beckenbodenoperation oder bei Beckenbodenschwäche aufgrund anderer Umstände, wie beispielsweise altersbedingter Veränderungen, kann gezieltes Training entscheidend zur Verbesserung der Beschwerden beitragen.

In vielen Fällen ist zusätzlich ein computergestütztes Training mittels Biofeedback für den Beckenboden (Pelvic Floor Reeduction) sinnvoll, um die Muskulatur gezielt zu stärken und die Therapie zu unterstützen. Wir helfen Ihnen gerne bei der Organisation eines Leihgerätes, damit Sie auch zu Hause effektiv trainieren können.

Nicht spürbare Pessare zur Behandlung von Beckenbodensenkung

Eine alte aber nach wie vor hoch effektive Therapiemöglichkeit von Beckenbodensenkungen, aber auch von Blasenschwäche bzw. Harninkontinenz, ist das Einsetzen von Pessaren. Diese bestehen aus weichem Material und werden – wenn individuell eingesetzt – von Ihnen selbst nicht bemerkt. Es gibt sie je nach individuellem Beschwerdebild als Ringe, Schalen oder Würfel. Pessare müssen regelmäßig gewechselt und gereinigt werden. Dies kann von Ihnen selbst durchgeführt werden. Eine ärztliche Vorstellung ist nur in größeren Zeitabständen erforderlich. 

Während einer Pessartherapie wird oft begleitend eine hormonhaltige Salbe eingesetzt, die Druckschädigungen und ein Austrocknen der Scheidenhaut verhindern soll. 

Effektive Medikamente bei Harninkontinenz bzw. Blasenschwäche 

Harninkontinenz bzw. Blasenschwäche ist in vielen Fällen durch unwillkürliche Kontraktionen der Blasenmuskulatur bedingt. Betroffene verspüren typischerweise sehr starken und plötzlichen Harndrang. Diese Überaktivität der Muskulatur kann sehr effektiv durch Medikamente, welche die Blasenmuskulatur entspannen, behandelt werden. Die Diagnostik erfolgt in einer speziellen Sprechstunde. In einigen Situationen ist eine lokale Hormonbehandlung der Scheide mit Zäpfchen oder Salbe sinnvoll. 

Beckenboden-Operationen

Eine Beckenboden-Operation sollte immer am Ende aller Überlegungen stehen. Aber auch dann stehen bei uns die kleinstmöglichen Verfahren im Vordergrund. 

Ist eine Operation notwendig, profitieren Patientinnen von unserer großen Erfahrung. Wir haben uns seit vielen Jahren besonders auf laparoskopische und minimal-invasive Verfahren (Operationen mit sehr kleinen Einschnitten) spezialisiert, da diese zahlreiche Vorteile für die Patientin bieten: 

  • geringere Schmerzen nach der Operation
  • erheblich geringeres Risiko für Wundinfektionen 
  • schnelle Mobilisierung noch am Operationstag
  • insgesamt kürzere Erholungsphase 

So werden auch ausgeprägte Beckenbodensenkungen bis zum Vorfall der Gebärmutter oder der Scheide (nach einer früher erfolgten Gebärmutterentfernung) bei uns seit vielen Jahren minimal-invasiv laparoskopisch operiert. In manchen Fällen sind auch Kombinationen aus laparoskopischen und vaginalen Verfahren sinnvoll. Ein Bauchschnitt ist in der Regel nicht erforderlich. Wir führen keine vaginalen Netzeinlagen („Gewebeersatz“) durch. Diese werden von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) als experimentell eingestuft. Studien zeigten hohe Komplikationsraten im zweistelligen Prozentbereich. 

Unsere Verfahren umgehen diese Risiken. Die Ergebnisse sind besser.   

Die Einlage eines TVT-Bandes (tension-free vaginal tape) gehört zu den erfolgreichsten und unkompliziertesten Methoden zur Behandlung von Stressinkontinenz. Bei dieser minimal-invasiven Operation wird ein dünnes Band aus Prolene, einem gewebeverträglichen Kunststoff, spannungsfrei unter die mittlere Harnröhre gelegt. Das Band stabilisiert die Harnröhre und hilft, ungewollten Urinverlust bei Belastungen wie Husten, Lachen, Niesen oder Heben zu verhindern.

Die TVT-Operation ist besonders schonend und kann unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Es werden lediglich zwei wenige Millimeter große Einschnitte in der Bauchdecke oberhalb des Schambeins vorgenommen, wodurch die Belastung für den Körper minimal bleibt und die Heilung schnell erfolgen kann.

Diese Methode eignet sich speziell für Patientinnen, die unter den Symptomen einer Stressinkontinenz bzw. Belastungsinkontinenz leiden – einer Form der Harninkontinenz, bei der ungewollter Urinverlust vor allem bei körperlicher Belastung oder Druck auf die Blase auftritt.

Wenn Sie unter Stressinkontinenz leiden, bietet die TVT-OP eine effektive und bewährte Lösung, um Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Informieren Sie sich jetzt über diese moderne Behandlungsmethode und lassen Sie sich von unseren Expert:innen beraten.

Unsere Klinik bietet Ihnen innovative und bewährte Eingriffe durch Bauchspiegelung (Laparoskopie), um Beckenbodensenkungen, Gebärmuttervorfälle (Prolaps oder Subtotalprolaps), Scheidenvorfälle (Vaginalprolaps) sowie Blasen- und Darmentleerungsstörungen effektiv zu behandeln. Hier sind die wichtigsten Verfahren, die wir regelmäßig durchführen:


Eigengewebe bei Gebärmuttersenkung und Senkungsinkontinenz

Bei der Behandlung von Beckenbodensenkungen wird in unserer Klinik mit körpereigenem Material operiert. Bei dem Verfahren wird anstelle eines Kunststoffnetzes eine körpereigene Sehne – die Sehne des Musculus semitendinosus – aus dem Oberschenkel der Patientin verwendet. Als Schlinge geformt wird sie am Beckenboden und an der Wirbelsäule befestigt und hebt so die abgesenkten Organe wie die Gebärmutter an. 

Laparoskopische Mesh-Suspension

Bei einer ausgeprägten Beckenbodensenkung bis hin zum Vorfall der Gebärmutter oder der Scheide wird nach einer Teilentfernung der Gebärmutter bzw. des Gebärmutterkörpers der Gebärmutterhals oder die Scheide spannungsfrei im Bereich des Kreuzbeins fixiert. Dies erfolgt mittels eines dünnen Kunststoffbändchens, das hinter der Bauchhöhle liegt. Der Eingriff ist schmerzfrei und ermöglicht eine nachhaltige Stabilisierung des Beckenbodens. Zusätzlich können Blasenentleerungsstörungen und Darmentleerungsstörungen im Rahmen dieses Eingriffs problemlos behandelt werden.

Wir führen beide Verfahren regelmäßig durch:

  • Laparoskopische Cervicosakropexie: Fixierung des Gebärmutterhalses mittels Kunststoffbändchen.
  • Laparoskopische Kolposakropexie: Fixierung der Scheide mittels Kunststoffbändchen.
Laparoskopische unilaterale pectineale Suspension (UPS)

Auch ohne Kunststoffbändchen/ Netz ist eine spannungsfreie Rekonstruktion des Beckenbodens möglich. Die Gebärmutter, der Gebärmutterhals oder die Vagina können mit einem nicht resorbierbaren (nicht auflösbarem) Faden unilateral (einseitig) rechts am Ligamentum pectineum befestigt werden. Hierbei wird eine achsengerechte Aufhängung der Vagina erreicht und es ist nur eine kleine Gewebeeröffnung notwendig. Dieses Verfahren kann sowohl mit als auch ohne Gebärmutterentfernung durchgeführt werden und bietet eine natürliche Alternative zur Mesh-Suspension. Welches Verfahren für Sie geeignet ist, wird individuell im Einzelfall geprüft.  

Anheben des Blasenhalses durch Bauchspiegelung (Kolposuspension nach Burch)

Die Kolposuspension nach Burch ist ein bewährtes Verfahren zur Behandlung von Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz). Dabei wird der Blasenhals durch das Einbringen von Haltefäden angehoben, um den Harnröhrenverschluss zu verbessern. Obwohl diese Methode durch moderne Therapieverfahren wie das TVT-Band zunehmend ersetzt wird, kann sie in bestimmten Fällen weiterhin sinnvoll sein.

In bestimmten Fällen ist ein rein vaginales Vorgehen die sinnvollste Methode zur Behandlung von Beckenbodensenkungen und Vorfällen. Vaginale Operationen bieten eine schonende und gezielte Möglichkeit, Beschwerden wie eine Senkung der Scheidenvorderwand (Cystocele) oder der Scheidenhinterwand (Rektocele) zu behandeln.

  1. Plastische Operationen bei Scheidenvorder- und Scheidenhinterwand-Senkungen
    Bei isolierten Senkungen der Scheidenvorderwand oder Scheidenhinterwand erfolgt die Behandlung direkt über die Scheide. Hierbei wird die Scheidenhaut durch eine plastische Operation gezielt gerafft, um die Stabilität der Scheidenwand zu verbessern und einem Blasenprolaps oder Darmvorfall vorzubeugen. Diese Methode ist besonders effektiv und ermöglicht eine nachhaltige Wiederherstellung der Beckenbodenfunktion.
  2. Vaginale Operation bei komplettem Vorfall
    Auch bei einem kompletten Vorfall der Scheide kann eine rein vaginale Operation in vielen Fällen die beste Lösung sein. Mit der sogenannten sacrospinalen Fixation nach Armreich-Richter wird die vorgefallene Scheide an einem körpereigenen Band fixiert. Diese Methode ist bewährt und bietet eine stabile und langfristige Lösung bei ausgeprägten Beckenbodensenkungen.
  3. Kolpokleisis
    Die Kolpokleisis ist ein operativer Verschluss der Vagina. Sie kann bei einem kompletten Gebärmutter- oder Vaginalvorfall durchgeführt werden. Diese Methode gilt als relativ schnelle und komplikationsarme Operation und wird dementsprechend vorrangig älteren multimorbiden Frauen angeboten, die nicht mehr sexuell aktiv sind und es auch nicht mehr sein wollen. Für den operativen Scheidenverschluss mit kompletter oder partieller (z. B. Technik nach LeFort) Kolpektomie gelten besondere Indikationen, da die Funktion der Scheide als Sexualorgan verloren geht. Eine Hysterektomie kann gleichzeitig durchgeführt werden.