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St. Franziskus-Hospital Münster

Grabstätte für das ungeborene Leben
Geborgen im Erinnern

Auf dem Alten St. Mauritz-Friedhof gibt es eine Kindergrab- und Gedenkstätte für Kinder, die nicht zum Leben geboren wurden.

Mit diesem seelsorgerlichen Angebot reagiert das St. Franziskus-Hospital auf ein gravierendes Problem: Oft werden sich Eltern nach einer Fehlgeburt, wie es im Amtsdeutsch heißt, erst nach Wochen, Monaten oder Jahren der Tragweite dieses Ereignisses bewusst und erleben dieses Ereignis dann um so mehr als schmerzhaften Einschnitt in ihr Leben, wenn sie nicht einmal wissen, wo ihr verstorbenes Kind geblieben ist. Die Stärke der Trauer ist nicht unbedingt abhängig von der Schwangerschaftswoche, sondern vielmehr von den Gedanken und Wünschen, die mit diesem Kind verbunden sind.

Da es sich nach unserem christlichen Glaubensverständnis um Menschen von Anfang an handelt, werden verstorbene Kinder unter 500 Gramm sowie das Zellgewebe nach Ausschabungen im St. Franziskus-Hospital unter dem Namen der Mutter würdevoll aufbewahrt bis zur Sammelbestattung, die drei Mal jährlich auf dem Alten St. Mauritz-Friedhof stattfindet. Für die Eltern entstehen keine Kosten. Die Eltern werden über die Bestattungstermine informiert und dazu eingeladen. Mit dieser Form der Bestattung der Allerkleinsten haben die Eltern die Möglichkeit, Abschied von ihrem Kind zu nehmen und ihrer Trauer einen Ort zu geben. 

Der Bildhauer und Theologe Winfried Häder aus Münster hat die Grabstätte gestaltet. Im Eingangsbereich des Alten St. Mauritz-Friedhofes fällt ein großer Stein ins Auge, der die Aufschrift trägt „Und wohnen darf ich im Hause Gottes für alle Zeit“, ein Vers aus Psalm 23. Der Gedenkstein symbolisiert die „Stadt auf dem Berg“; ein Hoffnungsbild, das die Bibel mit der neuen Stadt, dem himmlischen Jerusalem beschreibt, in der es keine Tränen, keine Trauer und kein Leid mehr geben wird (vgl. Offb 21). Diese Form der Gestaltung der Grabstätte möchte die Eltern bestärken, darauf zu vertrauen, dass die Allerkleinsten geborgen sind in ihrer Erinnerung, geborgen auch in der Liebe Gottes, der von Anfang an JA zu jedem Menschen sagt.

Ein Gebet

Es gibt viel Trauriges in der Welt
Und viel Schönes.
Manchmal scheint das Traurige mehr Gewalt zu haben,
als man ertragen kann.
Dann stärkt sich indessen leise das Schöne
Und berührt wieder unsere Seele.

Hugo von Hoffmansthal
(aus: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Gott“. Reihe Materialhefte des ‚Zentrum Verkündigung der EKHN’, Heft 101. Frankfurt 2004.)


An unterträglichen Tagen

Gott, es gibt Tage,
an denen alles versandet ist:
die Freude, die Hoffnung, der Glaube, der Mut.
Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten
nicht mehr zu tragen vermag:
Meine Krankheit, meine Einsamkeit,
meine ungelösten Fragen, mein Versagen.
Gott,
lass mich an solchen Tagen erfahren,
dass ich nicht allein bin,
dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft,
dass du mitten in der Wüste einen Brunnen schenkst
und meinen übergroßen Durst stillst.
Lass mich erfahren,
dass du alles hast und bist,
dessen ich bedarf.
Lass mich glauben,
dass du meine Wüste
in fruchtbares Land verwandeln kannst.

(Sabine Naegeli)
aus: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Gott“. Reihe Materialhefte des ‚Zentrum Verkündigung der EKHN’, Heft 101. Frankfurt 2004.)


An unser Kind, das still geboren wurde

Danke N.N.,
dass es Dich gab und in Gedanken immer gibt.
Für uns alle warst und bist Du ein Geschenk des Himmels,
das wir unerwartet schnell wieder zurückgeben mussten.
Wir haben uns so sehr auf Dich gefreut,
uns auf Deine Ankunft vorbereitet,
Dich mit liebevoller Hoffnung erwartet.
Was uns tröstet, ist die Gewissheit,
Dich in die allerbesten Hände zurückzugeben,
die wir uns denken können: in die Hände Gottes.
Bei ihm, in unseren Herzen und Gedanken lebst Du
und hast ein Stück unserer Lebensgeschichte mitgenomnen.
Wir kommen nach - jeder zu seiner Zeit,
um Dich noch näher kennen zu lernen
und freuen uns auf ein Wiedersehen. Amen

(geschrieben von Eltern, deren Kind in der 22. Schwangerschaftswoche still geboren wurde)