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Gynäkologisches Krebszentrum

St. Franziskus-Hospital Münster

Schamlippenkrebs | Vulvakarzinom


Der Schamlippenkrebs bzw. Vulvakrebs (Vulvakarzinom) ist eine seltene Form von Krebs, bei der Tumore an den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen entstehen. Schamlippenkrebs tritt meist nach den Wechseljahren auf. In den letzten Jahren wurde jedoch vermehrt eine Zunahme bei jüngeren Frauen festgestellt.

Schamlippenkrebs ist vor allem in einem frühen Stadium sehr gut behandelbar. Da diese Krebsart jedoch zu den seltenen Krebserkrankungen zählt, sollte die Behandlung in einem spezialisierten Krebszentrum mit entsprechender Behandlungserfahrung erfolgen.

Diagnose, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten

Im Frühstadium verursacht Vulvakrebs oft keine eindeutigen Beschwerden, was die Diagnose erschwert. Erst in späteren Stadien können Symptome wie Juckreiz, Hautveränderungen, Beläge oder tastbare Knoten auftreten. Da diese Anzeichen häufig erst spät bemerkt werden, wird Schamlippenkrebs oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Deshalb ist eine regelmäßige gynäkologische Krebsvorsorge besonders wichtig.

Bei Auffälligkeiten bieten wir den Betroffenen eine spezielle Dysplasie-Sprechstunde an. Sollte es notwendig sein, entnehmen wir in Rücksprache mit Ihnen kleine Gewebeproben. Im Vulvabereich erfolgt dies unter lokaler Betäubung. Erst die feingewebliche Untersuchung gibt Sicherheit, ob es sich um Schamlippenkrebs oder eine Vorstufe handelt.

Die genauen Ursachen für Schamlippenkrebs sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch bekannte Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen können, wie zum Beispiel: 

  • Infektionen mit Humanen Papillomaviren (HPV) oder anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen (z. B. Herpes, Chlamydien)
  • Chronische Erkrankungen der Genitalregion
  • Rauchen
  • Eingeschränkte Immunfunktion


Genetische Faktoren spielen bei dieser Krebsart eine untergeordnete Rolle.

In den meisten Fällen ist das Vulvakarzinom durch eine einmalige Operation heilbar. Hierbei stehen in unserer Klinik neben der leitliniengerechten Therapie insbesondere der Erhalt der Organfunktion sowie ein gutes kosmetisches Ergebnis im Vordergrund. Moderne Operationsmethoden ermöglichen es, nur den unmittelbar betroffenen Teil der Schamlippe mit einem Sicherheitssaum zu entfernen. Besonders bei frühen Krebsstadien sind die Heilungschancen sehr hoch. Ab einer gewissen Tumorgröße werden auch die Lymphknoten in den Leisten entfernt, da es häufig zu gestreuten Zellen in diesen Lymphknoten kommt. Bei kleineren Tumoren ist der Einsatz der Wächter-Lymphknotentechnik (Sentinel-Node Biopsie) möglich. Das erspart in vielen Fällen eine radikale Lymphknotenentfernung. 

Unser Team ist darauf spezialisiert, eine möglichst gute kosmetische Wiederherstellung des äußeren Genitales zu erreichen und dabei auch den funktionellen Aspekt nicht zu vernachlässigen. Hierfür kann es sinnvoll sein, sogenannte Lappenplastiken durchzuführen, bei denen Gewebe z. B. vom Oberschenkel zur Deckung genutzt wird.

Da die Qualität der Operation sehr entscheidend für das kosmetische Ergebnis und für den Heilungsverlauf ist, sollte der Eingriff ausschließlich in einem gynäkologischen Krebszentrum mit Spezialist:innen durchgeführt werden. Das Operationsteam in unserer Klinik besteht aus sehr erfahrenen gynäkologischen Chirurg:innen. In Zusammenarbeit mit spezialisierten Anästhesist:innen erfolgt bereits während der Operation eine intensive Schmerztherapie für eine optimale Erholung. Im Anschluss können Patientinnen mit Schmerzpumpen die Schmerzlinderung individuell nach Bedarf steuern.

Nach der Operation wird in der interdisziplinären Tumorkonferenz eine individuelle Empfehlung zur Nachsorge oder zu weiterer Therapie durch z. B. Strahlentherapie ausgesprochen. In der Konferenz wird die individuelle Situation jeder einzelnen Patientin gemeinsam von Gynäkolog:innen, Onkolog:innen, Patholog:innen, Radiolog:innen und Strahlenmediziner:innen betrachtet, um die bestmöglichen Therapieschritte zu planen.

Bei Vulvakrebs kann zusätzlich zur Operation („adjuvant“) eine Strahlentherapie angewendet werden, um einen lokalen Rückfall zu verhindern. Diese Therapieform wird empfohlen, wenn der Tumor nicht vollständig oder mit einem zu geringen Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe entfernt werden konnte. Die Bestrahlung erfolgt dann von außen über die Haut.

In unserem Gynäkologischen Krebszentrum in Münster stehen neben der medizinischen Therapie die Verbesserung der Lebensqualität und die Reduzierung von Nebenwirkungen im Fokus. Erschöpfungssymptome und andere Folgen der Standardtherapie können durch eine ganzheitliche Krebstherapie gelindert werden.

Viele Krebspatientinnen suchen nach alternativen Behandlungsmethoden, vor allem aus dem Bereich der Naturheilkunde. Auch in unserem Klinikalltag fließen vermehrt komplementärmedizinische Behandlungsansätze ein. In den letzten Jahren ist viel zu unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen geforscht worden und 2021 ist erstmals auch eine S3-Leitlinie zur Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patientinnen erschienen.

Wichtig ist dabei zu beachten, dass die Komplementärmedizin stets als Ergänzung, nicht als Alternative zur empfohlenen schulmedizinischen Krebstherapie zu verstehen ist.

Sollten Sie Interesse an diesen Therapieverfahren haben, können Sie uns gern ansprechen. Auch wenn Sie Fragen zur Linderung bestimmter Symptome mit Hilfe komplementärmedizinischer Verfahren haben, können Sie sich an uns wenden.

Rehabilitation und Nachsorge sind wesentliche Bestandteile der onkologischen Versorgung. Da die Erkrankung an einem Vulvakarzinom und deren Behandlung stark belasten kann, ist für viele Patientinnen ein Reha-Maßnahme sinnvoll, um die körperliche und seelische Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Je nach individueller gesundheitlicher, sozialer und beruflicher Situation können sie von unterschiedlichen stationären oder ambulanten Angeboten profitieren.

Die Nachsorge besteht in regelmäßigen frauenärztlichen Kontrolluntersuchungen. Hier werden Untersuchungen durchgeführt, um ein Wiederauftreten des Krebses (Rezidiv) frühzeitig zu entdecken. Darüber hinaus möchten wir die Patientinnen auch in ihrer Genesung unterstützen und begleiten.