Endovaskuläre Aortenbehandlung
Schonende Therapie bei Aortenaneurysma
Ein Aortenaneurysma ist eine krankhafte Aussackung der Hauptschlagader (Aorta), die im schlimmsten Fall reißen und lebensbedrohliche Blutungen verursachen kann. In der Gefäßchirurgie des St. Franziskus-Hospitals Münster bieten wir eine moderne, schonende Form der Aortenbehandlung durch endovaskuläre Chirurgie. Dabei wird die Aorta in der Regel nicht mehr über einen großen Schnitt im Bauch oder Brustkorb eröffnet. Stattdessen führen wir über kleine Zugänge in den Leisten eine Gefäßprothese (Endoprothese) in die Aorta ein und setzen sie von innen genau dort ein, wo sich das Aneurysma befindet. So wird die geschwächte Gefäßwand entlastet und das Risiko eines Risses deutlich reduziert.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Klinik liegt in der endovaskulären Therapie von Erkrankungen der gesamten thorakoabdominellen Aorta (Hauptschlagader). Mit über 270 behandelten Fällen pro Jahr versorgen wir deutschlandweit die größte Zahl an Patientinnen und Patienten.
Die meisten Aortenaneurysmen betreffen die Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma). Wenn ein stabiler Abschnitt der Aorta unterhalb der Nierenarterien vorhanden ist, kann hier sehr gut endovaskulär behandelt werden:
- Die Prothese wird über beide Leisten eingeführt und in der Aorta verankert.
- Sie bildet am Ende ein Y-förmiges System, durch das das Blut sicher hindurchfließt.
- Die geschwächte Gefäßwand wird entlastet und vor einem Riss geschützt.
Große Studien konnten zeigen, dass diese minimalinvasive Methode die Sterblichkeit rund um die Operation im Vergleich zur offenen Operation deutlich senkt. Heute werden die meisten Bauchaortenaneurysmen auf diese Weise behandelt.
Nicht alle Aortenaneurysmen liegen in „günstigen“ Abschnitten. Manchmal sind z.B. die Nieren- und Bauchgefäße direkt betroffen oder die Aorta ist im Brust- und Bauchbereich (thorakoabdominelles Aortenaneurysma) erweitert. Für diese komplexen Situationen stehen in unserer Klinik besonders spezialisierte Verfahren zur Verfügung:
- Fenestrierte Endoprothesen:
Individuell angefertigte Prothesen mit Öffnungen („Fenstern“) für wichtige Gefäße, etwa zu Nieren und Bauchorganen. Sie kommen vor allem bei juxta- und suprarenalen Aneurysmen zum Einsatz.
- Gebranchte Endoprothesen (branched grafts):
Prothesen mit kleinen Seitenarmen, über die wichtige Gefäße im Brust- und Bauchbereich angeschlossen werden können. Damit lassen sich auch ausgedehnte thorakoabdominelle Aneurysmen minimalinvasiv behandeln – teilweise sogar im Notfall.
- Spezielle Verfahren für Beckenarterien-Aneurysmen:
Hier werden Endoprothesen mit Seitenarmen eingesetzt, um die Durchblutung der Beckenorgane und Gesäßmuskulatur zu erhalten und Beschwerden wie Gesäßschmerzen oder Erektionsstörungen vorzubeugen.
Unsere Klinik gehört zu den erfahrensten Zentren auf diesem Gebiet. Jährlich versorgen wir eine große Zahl von Patient:innen mit komplexen Aortenaneurysmen endovaskulär – mit sehr niedrigen Sterblichkeitsraten im Umfeld der Operation.
Trotz aller Fortschritte ist nicht jede Aortenerkrankung für eine endovaskuläre Behandlung geeignet. In einigen Situationen empfehlen wir weiterhin eine offene Aortenoperation, zum Beispiel:
- Stark gekrümmte oder verkalkte Gefäßen
- Sehr ungünstige anatomische Verhältnisse
- Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom)
- Sehr junge Patient:innen
Dank verbesserter chirurgischer Techniken sind auch die offenen Verfahren heute deutlich sicherer geworden. Ein Vorteil der offenen Operation ist zudem, dass im Anschluss meist weniger engmaschige Kontrollen nötig sind.





